Über und Gegen Rassismus an Hochschulen

06.03.2018 13:36:35 | Pia Portmann
Über und Gegen Rassismus an Hochschulen

"Unser Dozent hat in einer Vorlesung gesagt, dass er noch einen Hilfsassistenten oder eine Hilfsassistentin braucht. Ich habe mich nach der Vorlesung bei ihm gemeldet und wollte mich für die Stelle bewerben. Er hat erwidert, dass ich mich nicht bewerben soll, weil ich eh keine Chance hätte. Ich fragte wieso, schliesslich hatte ich sehr gute Noten. Er stelle keine Inder ein, war die Antwort." - Zitat Student, Universität Bern, 2017




"Die Ausübung von Rassismus ist nicht [nur] abhängig von guten oder schlechten Gefühlen oder Absichten gegenüber Schwarzen Menschen und People of Color durch Weisse. Rassismus ist ein System, welches Weisssein kontinuierlich in das Zentrum stellt und Schwarzsein als das minderwertige Andere konstruiert."1 An Schweizer Hochschulen ist dies klar der Fall: Vorwiegend weisse Dozierende lehren uns Theorien, die vorwiegend von weissen, "westlichen" Personen aus weissen, "westlichen" Perspektiven entwickelt wurden. Davon profitieren vor allem weisse Studierende und Akademiker_innen - nicht-weisse Mitarbeitende sieht man an unseren Unis eher als Reinigungs- oder Mensapersonal als im Vorlesungssaal. 

Was heisst das für uns? Was heisst das für die Wissenschaft? Was heisst das für Studierende, Wissenschaftler_innen und Angestellte von Hochschulen? Und wie gehen wir damit um? Mit diesem Symposium wollen wir im Rahmen der 8. Aktionswoche der Stadt Bern gegen Rassismus den längst fälligen Ball ins Rollen bringen, dass sich Berner Hochschulen mit diesen Fragen auseinandersetzen. Am 23. März 2018 @ UniS, Schanzeneckstrasse 1.

Dies mit einem Einführungsvortrag, zwei parallelen Workshops und einem Abschlusspodium.


Programm



VORTRAG: Zeichen setzen gegen Rassismus an deutschsprachigen Hochschulen
Einführungsvortrag, 16:10-17 Uhr (UniS A 022)

Rassismus als Realität im deutschsprachigem Raum anzuerkennen ist noch immer schwierig und wird weiterhin vor allem kleingeredet oder ignoriert. Das von Dr. Emily Ngubia Kessé geschriebenen Buch mit dem Titel: „eingeschrieben. Zeichen setzen gegen Rassismus an deutschen Hochschulen“ zeigt differenziert, wie sehr dies gerade auch im deutschen Bildungssystem traurige Alltagspraxis ist. Rassismus schreibt sich in die Selbstvorstellungen von diskriminierten Personen ein, in Lehrpläne und Sprechstundentermine, in die Form, wie Bewerbungen beurteilt und Personen eingelesen werden, in Hausarbeitsthemen und Ansprachen. Zudem wird diskutiert, wie sich dies als Belastungsfaktor für die Student_innen of Color ausdrückt. Im Vortrag wird sowohl ein spezifischer Schwerpunkt auf die verschiedenen strukturellen Ebenen von Rassismus gelegt als auch auf deren Ausdruck im universitären Leben und den Einfluss auf den persönlichen Bildungserfolg.

Gehalten von von Dr. Emily Ngubia Kessé, Wissenschaftlerin und Autorin von "eingeschrieben. Zeichen setzen gegen Rassismus an deutschen Hochschulen“



AUSGEBUCHT: PARALLELWORKSHOP 1: Vom Nutzen unseres Ärgers - und dem Unbehagen rassistische Privilegien zu benennen
AUSGEBUCHT: Critical Whitness Workshop, 17:15-20 Uhr (UniS A019)

Wir lesen gemeinsam Ausschnitte der Rede von Audre Lorde, die sie 1981 vor einem Publikum weisser Feministinnen hielt. Anhand ihrer Auseinandersetzung mit Ausschlüssen, Wut und Solidarität hinterfragen wir unsere eigenen Selbstverständlichkeiten und gesellschaftlichen Positionen. 

Wer Zeit findet, vorab die gesamte Rede zu lesen findet diese hier.

Dieser Workshop wird insbesondere für weisse Menschen ohne Migrationshintergrund angeboten, die ihre Position/Privilegien kritisch hinterfragen und rassismuskritisch denken lernen wollen. 
 

Die Teilnehmendenanzahl ist beschränkt, UniBe-Studierende geben bitte ihre Immatrikulationsnummer an.
Anmeldung an wost@sub.unibe.ch

 
Der Workshop wird durchgeführt von den beiden Bla*Sh Aktivistinnen Bettina Aremu, selbstständig als Coach, Supervisiorin und Sozialpädagogin, und Sarah Owens, Designsoziologin, lehrt an der ZHdK im Bereich Visuelle Kulturen.



PARALLELWORKSHOP 2: Euer Schweigen schützt euch nicht – wider dem Schlucken alltagsrassistischer Erlebnisse - für kollektives Handeln
Empowerment Workshop für People of Color 17:15-20 Uhr (Uni S A 027)

In Anlehnung an den Aufruf Audre Lordes zu Sprache und aktivem Handeln nehmen wir uns Raum, gemeinsam mehr über Rassismus zu lernen. In diesem Workshop tauschen wir uns über offene oder auch versteckte alltagsrassistische Erlebnisse aus und entwickeln gemeinsame Strategien die uns im Alltag stärken.

Dieser Workshop ist offen für People of Color, Muslim_innen und andere Personen die Rassismuserfahrungen machen und/oder aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert werden. Wir bitten weisse Menschen (ohne Migrationshintergrund) aus Solidarität fernzubleiben und am Parallelworkshop (siehe oben) teilzunemhen. Die Selbstdefinition gilt.

Die Teilnehmendenanzahl ist beschränkt, UniBe-Studierende geben bitte ihre Immatrikulationsnummer an.
Anmeldung an wost@sub.unibe.ch

Der Workshop wird durchgeführt von den beiden Bla*Sh Aktivistinnen. Rahel El-Maawi, Lehrbeauftragte und selbständige Soziokulturelle Animatorin, und Marilyn Umurungi, Journalistin, Philosophin, Studentin der ZHdK.



APERO
Apéro, 20:00-20:30 (UniS)

Hier finden die Teilnehmenden und Leitenden der Parallelworkshops wieder zusammen und können sich über ihre Erfahrungen austauschen. 



PODIUM: Rassismus und Hochschulen - Positionen und Perspektiven
Abschlusspodium, 20:30-21:30 (UniS A 022)

Aktivistinnen, Wissenschaftlerinnen und Gleichstellungsbeauftragte tauschen sich darüber aus, was heute an Schweizer Hochschulen in Bezug auf Rassismus schief läuft und wo wir ansetzen müssen, um dies zu ändern. 

Auf dem Podium:
  • Sarah Owens: Designsoziologin, lehrt an der ZHdK im Bereich Visuelle Kulturen und Bla*Sh Aktivistin
  • Rahel El-Maawi: Lehrbeauftragte und selbständige Soziokulturelle Animatorin und Bla*Sh Aktivistin
  • Zamzam Abdulcadir: Vize-Präsidentin NCBI Schweiz, Sozialarbeiterin Kompetenzzentrum Integration, Kulturvermittlerin und Dolmetscherin
  • Dr. Emily Ngubia Kessé: wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der HU Berlin und Autorin von eingeschrieben. Zeichen setzen gegen Rassismus an deutschen Hochschulen
  • Moderiert von Ursina Anderegg: Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Diskriminierung, Öffentlichkeitsarbeit) der Abteilung für Gleichstellung der Uni Bern



1 Aus ​"eingeschrieben. Zeichen setzen gegen Rassismus an deutschen Hochschulen" von unserer Referentin ​Dr. Emily Ngubia Kuria.